FÜHRUNG – Gleichnisse einer Autofahrt

A.R.T. Red_gleichnis_autofahrt

Zwei kleine, kurze Geschichten um über Führung nachzudenken

Stell Dir beim Lesen dieser kleinen Geschichten ein Auto als Unternehmen und den Fahrer als Unternehmer oder Manager diese Unternehmens vor. Vergleich die Geschichten miteinander und übertrage sie einmal auf Dein Unternehmen. Auf welcher „Fahrt“ befindet es sich, mit welcher Art von „Fahrer“?

No.1 EINE FAHRT ZUM FLUGHAFEN

Der Fahrer hält das Lenkrad mehr oder weniger fest in seinen Händen. Sein Blick ist durch die Frontscheibe nach vorne auf die Straße und die Landschaft gerichtet. Immer mal wieder schweifen seine Augen ab, wirft er einen Blick in einen der Spiegel oder auf die beifahrende Person.

Er ist mit seinem Fahrzeug auf den Weg zum Flughafen. Der Flughafen ist dabei nicht nur ein geografisches Ziel, sondern auch der Zweck dieser Autofahrt. Der Fahrer hat – unterstützt vom Navigationssystem – einen klaren Weg vor Augen und für den Fall, dass es notwendig werden sollte, gibt es Ausweichalternativen.

Seine Einflussnahme auf die Bewegungsrichtung und die Geschwindigkeit des Autos ist angemessen und ruhig. Ganz unbewusst schaltet er die Gänge, je nach Bedarf rauf oder runter. Kaum einmal wirft er einen Blick auf den Drehzahlmesser, sein Unterbewusstsein „hört“ den richtigen Zeitpunkt um die Kupplung zu treten, den Gang herauszunehmen und wieder einzulegen.

Wenn es Störungen gibt, kommen diese meist von außen. Von der „Konkurrenz“, die ihm die Fahrbahn streitig macht, ihn zu ungewollten Ausweichmanövern oder Geschwindigkeiten nötigt. Der Blick nach vorne aber lässt ihn rechtzeitig und ruhig reagieren.

Natürlich kann der Fahrer auch unkonzentriert werden, durch Müdigkeit, Routine oder abschweifende Gedanken. Auch können Dinge geschehen, die mit dem Fahrzeug selber zu tun haben. Der Motor kann streiken, die Bremsen versagen oder einfach nur der Sprit zur Neige gehen. Doch das Fahrzeug ist Scheckheftgepflegt, die Bremsen sind gewartet und im Wissen über die Fahrtstrecke wurde genügend Treibstoff getankt.

So erreicht man nach einer wenig spektakulären Autofahrt das Ziel, den Flughafen, dem Ort, an dem sich der Reisezweck nun etwas verändern wird.

No.2 EINE FAHRT INS BLAUE

Der Fahrer hat auch hier das Lenkrad mehr oder weniger fest in seinen Händen. Doch sein Blick wandert unstet hin- und her. Kaum einmal das er nach vorne durch die Frontscheibe blickt. Seine Konzentration gilt vor allem dem Rückspiegel in einer steten Rückbetrachtung ob man wohl richtig durch die Landschaft gefahren sei.

Das angesteuerte Ziel ist nicht wirklich konkret, es geht nur darum, dass das Auto fährt, möglichst ein bisschen schneller als bei der letzten Fahrt. Immer wieder wird der Fahrer aufgefordert, durch den Rückspiegel zu blicken und sich zu erklären was er da sieht und ob das gut ist/war, was er sieht. Das Fahrzeug ist deshalb auch mit einem extra großen Rückspiegel neuster Technologie ausgestattet, der es dem Fahrer erleichtern soll, ein möglichst breites und tiefes Bild der zurückliegenden Strecke zu erhalten.

Da er nur sehr selten nach vorne blickt und dabei immer nur einen kurzen Streckenabschnitt wahrnehmen kann, ist seine Einflussnahme auf die Bewegungsrichtung und die Geschwindigkeit eher hektisch und unsicher. Immer wieder wird er von „plötzlich“ auftauchenden Hindernissen überrascht, welche ihn zu abrupten Manövern zwingen und seine Reflexe an die Grenzen bringen.

Deshalb kommt es nun immer öfter vor, dass der Wechsel der Gänge ruppig ausfällt, mal zu unter- mal zu hochtourig. Er versucht sich zu konzentrieren. Wieder und wieder leitet er nun die Schaltvorgänge mit einem kontrollierenden Blick auf den Drehzahlmesser ein und beginnt die Technik zu verfluchen.

Nervös reduziert der Fahrer häufiger einmal die Geschwindigkeit, will Zeit gewinnen, um mit der „zunehmenden Komplexität des Autofahrens“ zurecht zu kommen. Doch die jetzt nach links wandernde Tachonadel mahnt ihn doch schneller zu fahren – diesem vagen Ziel folgend.

Dann beginnt auch noch die Tankanzeige zu blinken – „irgendwer“ hat vergessen sich um genügend Treibstoff zu kümmern. Der Fahrer beschließt in Zukunft ein größeres Augenmerk darauf zu haben.

Als schließlich der Sprit zu Ende ist, lässt er das Fahrzeug entnervt auf dem Standstreifen ausrollen, verflucht das Auto im Allgemeinen und die Technik im Besonderen, sowie diejenigen, die sich nicht um genügend Sprit gekümmert haben – und ruft den Pannendienst (sprich das Beratungsunternehmen).

Vergleichsmomente

Bevor Du nun wieder wegklickst – verweile bitte noch einen kurzen Moment und denken einmal über das Gelesene nach. Übertrage die beiden Gleichnisse auf die Unternehmens- und Führungsrealitäten die Du kennst und stellen Dir dabei folgende Fragen:

    • Hat ein Unternehmen einen „Rückwärtsgang“?
    • Welche Art von Führung finden Sie in den Gleichnissen vor und worin unterscheiden diese sich?
    • Welchen Informations- und Steuerungsinformationen gibt man jeweils den Vorrang und mit welchen Ergebnissen?
  • Inwieweit definiert der Grad der Führungspersönlichkeit den Informationsbedarf?

Deine Gedanken sind uns sehr wichtig. Schreib uns, teile uns Deine Erkenntnisse mit.

Email: info@art-leadership.com

Autor: Richard Vizethum
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